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Apples Photos App angetestet und vorgestellt

Wenige Tage ist es her, dass Apple mit der Beta-Version von OSX 10.10.3 auch die erste Testversion der schon seit langem angekündigten Photos-App zum Ausprobieren bereitgestellt hat. Viel wurde im Vorfeld diskutiert, ob der Nachfolger von Aperture und iPhoto wohl auch professionelle Ansprüche befriedigen können wird – Zeit also, einen Blick auf die Vorab-Version des Programms zu werfen. Einen ausführlichen Überblick habe ich auf YouTube veröffentlicht.

Allgemeines

Vom Look & Feel reiht sich das Programm nahtlos in die bereits bekannten Fotos-Apps für iPhone und iPad unter iOS8 ein. Die Sortierung der Medien findet auch hier standardmäßig nach Ereignissen statt, wofür Datum und, falls vorhanden, auch die Geo-Daten als Sortierungskriterium genutzt werden. Die Navigation bzw. das Zoomen in bestimmte Bereich funktioniert auf dem MacBook mit den bekannten Fingergesten und läuft ausgesprochen flüssig – so wie auch der Rest der App, die für eine Beta-Version schon erfreulich arm an Bugs ist. Nach wie vor kommt eine geschlossene Mediathek zum Einsatz, in welche die Medien beim Import hinein kopiert werden. Möchte man also auf die Originaldaten zugreifen, so müssen diese über das Dateimenü zunächst befreit werden. Optional lässt sich dieses Verhalten in den Einstellungen ändern, so dass die Bilder und Videos in ihren Verzeichnissen bleiben und nur eine Verknüpfung stattfindet.

iCloud-Integration

So langsam gibt alles einen Sinn! Viele Apple-Nutzer taten sich schwer mit dem Umstieg auf die „iCloud Fotobibliothek“, da deren Sinn und Zweck sich bislang nicht wirklich offenbarte – vielmehr handelte es sich in der bisherigen Form eher um einen mehr oder weniger erweiterten Fotostream. Mit der Fotos-App für den Mac kommt nun ein weiteres Tool hinzu, welches auf diese Funktion zugreift. Aktiviert man die iCloud-Integration, so findet eine Synchronisierung in beide Richtungen statt: Neue Bilder auf den Mobilgeräten landen automatisch auch auf dem Mac, importierte Bilder vom Mac auch auf dem iPhone und iPad. Um Speicherplatz zu sparen, sieht das Programm vor, dass die Originaldateien in der iCloud verbleiben und nur bei Bedarf auf das jeweilige Endgerät geladen werden. Auf dem Mac kümmert sich das Programm selbst um die Speicherverwaltung und lädt, so die Versprechung, Bilder nur dann herunter, wenn genügend Speicherplatz zur Verfügung steht. Nach welchen Kriterien dies entschieden wird, verrät das Programm aber nicht. Dies gilt gleichermaßen auch für die Mobilgeräte; man braucht also nicht zu befürchten, dass der Speicher des iPhones nach wenigen Importen von großen RAW-Dateien verschlungen wird. Selbstverständlich kann ich auch auf dem Desktop Alben erstellen und für andere iCloud-Nutzer freigeben. Dies funktioniert jetzt bereits problemlos und komfortabel. Bedenken sollte man allerdings, dass der Speicherplatz für die Bilder vom vorhandenen iCloud-Kontingent abgezogen wird und somit, je nach Größe und Anzahl der Dateien, durchaus ein größeres Speicherpaket der iCloud erfordert.

Bearbeitungs- und Verwaltungsmöglichkeiten

Die Bearbeitungsfunktionen decken sich weitestgehend mit denen der iOS-Geräte. Zunächst muss ich per Checkbox auswählen, welche Optionen ich zur Verfügung haben möchte: ein Histogramm, Belichtungskorrektur, Schwarz-Weiß-Konvertierung, Schärfung, Klarheit, Vignettierung, Weißabgleich, Sättigung und die Tonwert-Korrektur stehen zur Verfügung. All diese Optionen funktionieren hervorragend und sind mit Sicherheit für die meisten Nutzer völlige ausreichend. Kommt man jedoch von Aperture oder Lightroom und nutzt die Funktionen dieser Programme aus, dann wird man von „Fotos“ enttäuscht: Weder gibt es die Möglichkeit, Presets zu speichern, noch kann man selektive Anpassungen vornehmen oder auf Pinsel zurückgreifen. Damit entfällt auch die Option, bereits beim Import von Bildern Entwicklungsvoreinstellungen für die RAW-Entwicklung auf die gesamte Menge an Bildern zu übertragen, so dass jedes Bild einzeln angefasst werden muss. Zwar können Entwicklungseinstellungen kopiert, nicht aber auf mehrere Bilder gleichzeitig angewendet werden. Dies funktioniert nur mit Schlagwörtern, sonst mir keinen weiteren Datentypen. Auch Profilkorrekturen, die Entfernung chromatischer Aberrationen und fortgeschrittene Funktionen zum Bearbeiten von Verzerrungen finden sich nicht.

Darüber hinaus fehlt, von den erwähnten Schlagwörtern abgesehen, jegliche Attributfunktionalität. Während ich bei Lightroom und Aperture mit Farben und Sternchen markieren und so sehr granular sortieren kann, bin ich bei der Fotos-App auf Herzchen (Favoriten) und Schlagwörter beschränkt. Möchte man aus einer großen Menge Bildern eine finale Auswahl treffen, so ist dies wesentlich komplexer und kann eigentlich nur über ein separates Album gelöst werden. Alben und Ordner lassen sich glücklicherweise problemlos in der linken Seitenleiste mit einem Klick erstellen, Bilder werden per Drag&Drop zugeordnet. Einen wirklichen Ersatz für den professionellen Workflow von Aperture und Lightroom stellt dies aber in keiner Weise dar.

Sharing

Hier merkt man deutlich die Ausrichtung des Programms auf den Consumer-Bereich: So kompliziert eine sinnvolle Auswahl ist, so einfach wird es einem gemacht, Bilder per SMS, Mail oder Airdrop, auf Flickr, Twitter und Facebook zu teilen. Aus dem Kontextmenü heraus lassen sich die Bilder direkt an die im System hinterlegten Accounts schicken. Weitere als die voreingestellten Dienste lassen sich aktuell nicht hinzufügen, für die meisten Nutzer wird dies aber wohl ausreichen.

Exportieren der Bilder ist einfach, die Vorgaben sind allerdings recht starr. So lässt sich beispielsweise die Qualität von JPEGs nur in vier vorgegeben Stufen einstellen, eine Auswahl anhand einer Prozent-Skala existiert nicht.

(Vorläufiges) Fazit

Es kann kaum daran gezweifelt werden, dass die Fotos-App eindeutig auf diejenigen Nutzer ausgerichtet ist, die eine einfache Fotoverwaltung mit für ihre Zwecke ausreichenden Bearbeitungsfunktionen suchen. Das Profi-Lager wird mit dem Programm in der jetzigen Ausbaustufe nicht viel anfangen können. Zu unflexibel sind die Bearbeitungsmöglichkeiten, zu spärlich die Optionen zum Sortieren und Gruppieren, zu knapp die Exportoptionen. Persönlich bin ich davon überrascht, da Apple in der Vergangenheit in den Bereichen Bild-, Audio- und Videobearbeitung immer professionelle Lösungen im Portfolio hatte, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Wirft man einen Blick auf die Geschichte Final Cuts, so werden Erinnerungen an den Start von Final Cut Pro X wach, dessen erste Versionen eine große Zahl von professionellen FC-Usern vergraulten. Mit der Zeit wurde hier nachgebessert und der Funktionsumfang deutlich erhöht. Es bleibt zu hoffen, dass Apple auch bei der Fotos-App auf das Feedback der professionellen Nutzer hört und den Mac, das prototypische Arbeitsgerät der Kreativbranche, nicht vollends im Massenmarkt versinken lässt.

Wenige Tage ist es her, dass Apple mit der Beta-Version von OSX 10.10.3 auch die erste Testversion der schon seit langem angekündigten Photos-App zum Ausprobieren bereitgestellt hat. Viel wurde im Vorfeld diskutiert, ob der Nachfolger von Aperture und iPhoto wohl auch professionelle Ansprüche befriedigen können wird - Zeit also, einen…

Die Fotos-App von Apple im Test

Einfachheit der Bedienung
iCloud-Integration
Sortier- und Filterfunktionen
Bearbeitungsfunktionen

Für den Alltag ausreichend - für Profis eine Enttäuschung. Die Fotos-App von Apple muss, wenn die Zielgruppe der ambitionierten Fotografen nicht verprellt werden soll, grundlegend erweitert werden.

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Über Björn

Björn ist ambitionierter, halb-semi-mittelprofessioneller Fotoenthusiast und ein wenig vernarrt in technisches Spielzeug. Im familieninternen Wettstreit mit seiner Frau um die besten Fotos liegt er zwar meist ein kleines Stückchen hinten, aber sie verdient ja schließlich auch ihr Geld damit.

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15 Kommentare

  1. Ich habe auch die Beta installiert und ca. 20000 Fotos in die Cloud geladen.
    Danach habe ich auf dem Mac neue Ordnerstrukturen angelegt. Hat ganz gut funktioniert.
    Aber: … da ich auf mehreren IPads und Iphones die selben Fotos und Ordnerstrukturen haben möchte, habe ich diese Geräte ebenfalls synchronisiert. Das läuft aber nur sehr schlecht und danach sind die neuen Ordnerstrukturen auf dem Mac zwar da, aber die Fotos sind wieder wie zuvor nicht in den neuen Ordnern und auch gelöschte – nicht mehr benötigte – intelligente Alben sind wie zuvor auf dem Mac. Also – es fehlen zwar keine Fotos, im Gegenteil, es sind die auf den Iphones gelöchten auch wieder auf dem Mac.
    Meine Frage: wie bekomme ich Struktur und Umfang vom Mac auf die anderen Geräte? Kann mir da jemand einen Rat geben? Von Apples Seite ist wohl nichts zu erwarten.

    • Hallo Stefan,

      danke für Deinen Kommentar. Dieses Problem ist bei mir bislang nicht aufgetreten – sowohl Alben als auch Ordner wurden korrekt synchronisiert. Kannst Du evtl. einen Screenshot posten, auf dem man das nachvollziehen kann? Eventuell kann ich es ja dann nachstellen und, im besten Falle, sogar einen Lösungsvorschlag anbieten.

      [Update] Tatsache. Ich habe gerade ein intelligentes Album erstellt, das taucht erst gar nicht auf den Mobilgeräten auf. Das klingt nach Recherchearbeit.

      • Bei mir sind die Bilder zwar auf dem Ipad und auf dem Iphone 6 Plus (aus der Gesamtanzahl ersichtlich), aber sie werden nur zum Teil angezeigt und die Anzeige wechselt ständig, wenn ich auf eine weiße leere Fläche tippe, lädt ein Bild, wird kurz angezeigt und verschnwindet dann wieder sofort. Die Menge der angezeigten Bilder wechselt. Keine Idee, woran das liegt (wohl Beta- Zustand). Die letzte (zwar nicht richtige) Ordnerstruktur ist übrigens inzwischen auf dem IPhone 6 Plus aufgetaucht, aber nicht die Fotos.
        Am besten sieht es noch auf dem IPhone 5 aus – habe gerade nachgesehen.

        • Ich habe heute auch nochmal gründlich getestet – mittlerweile scheint alles zu funktionieren. Ich habe 6814 Fotos in der App, alle davon kann ich auch auf dem iPhone 6 anzeigen. Auch bei den Videos habe ich keine Probleme. Alben, die ich erstelle, tauchen sofort auf allen Geräten auf. Ich könnte mir vorstellen, dass hier primär ein iCloud-Problem zu den Aussetzern geführt hat und dieses mittlerweile behoben wurde. Für den Moment jedenfalls sieht bei mir alles gut aus.

  2. Noch eine Frage: ich habe inzwischen das Problem mit einer Datumsänderung, die ich noch in IPhoto in vielen Fotos gemacht habe, entdeckt. Und zwar ist in Fotos wieder das alte, ursprüngliche Datum berücksichtigt.Unangenehm und mit neuerlicher Arbeit an etlichen 100en Fotos verbunden.
    Und noch eine Frage: kann man die Fotos aus Iphoto noch einmal migirieren, z. B. dann, wenn die endgültige Fotos-Version steht?

    • Also, ein erster Versuch wäre auf jeden Fall, dass Du mit gedrückter „Alt“-Taste „Fotos“ startest. Im dann erscheinenden Menü kannst Du eine weitere Fotos-Mediathek anlegen. Dadurch kann zunächst mal nichts passieren, außer, dass Du zwei Fotos-Mediatheken hast. 😉 Sobald diese eingerichtet sind, kannst Du beim Start des Programms immer wählen, in dem Du wieder „Alt“ beim Start gedrückt hältst, bzw. einen Standard definieren. Für die neue Mediathek solltest Du dann ohne Probleme die iPhoto-Inhalte nochmals importieren können.

      • Hallo, ich habe wieder eine Fotos-Frage. Die Fotos sind inzwischen auf IPhone5, IPhone 6 Plua und IPad Air 2- zwar mit einiger Handarbeit aber doch.
        Jetzt habe ich (schon zum 2. Mal auf dem Mac eine Ordnerstruktur angelegt und die div. Alben entsprechend verschoben. Auf den beiden Iphones wurde diese Struktur sofort übernommen, komischerweise aber nicht auf dem IPad, da ist noch immer die alte Struktur, es hat zwischendurch synchronisiert, aber die Struktur ist gleich geblieben.
        Hast Du dazu Erfahrung bzw. gibt es einen Trick?

        • Mmh, das ist interessant und etwas wirr. Habe das gerade bei mir getestet, da geht es wirklich beinahe in Sekundenschnelle völlig snychron zwischen allen Geräten. Bist Du mittlerweile auf iOS 8.3 und 10.10.3 in der finalen Version?

          • Ich bin (Betriebssystem) auf allen Geräten am neuesten Stand.Heute habe ich das IPad über ITunes an den Mac gehängt, der Sync (hat dann irgendwo mittendrin aufgehört) hat mir am Mac und auf den übrigen Geräten wieder alle Albumstrukturen geändert. Es ist zum Verzagen. Ich verstehe nicht, dass Apple nicht anbieten kann, dass ich z.B. den Datenstand auf dem Mac als richtig und für alle als gültig festlegen kann.

          • Hui, das klingt, als ob bei Dir mächtig was schief geht. Hast Du Yosemite als Update über Mavericks installiert oder eine cleane Installation gemacht? Ich hatte zuerst nur die Update-Variante gewählt und damit tatsächlich einige iCloud-bezogene Probleme.

          • Ich habe keine cleane Installation von Yosemite gemacht, kann dasüber ICloud auch auf das IOS Auswirkung haben? Und kann man dies auch nachträglich noch machen?

          • Klar, aber das bedeutet natürlich, dass Du erstmal ein Backup machen musst. Dann vorgehe wie hier beschrieben: http://www.netzwelt.de/news/149502-os-x-yosemite-so-funktioniert-saubere-neuinstallation.html. Direkte Auswirkungen auf iOS wird das eher nicht haben, aber bei iCloud-Problemen ist es ohnehin schwer zu sagen, wo das Problem genau herkommt. Letztlich empfiehlt sich auf allen Systemen eine cleane Installation, damit kein Schmutz übernommen wird.

          • Danke für Deine Unterstützung, aber in der Zwischenzeit – genauer seit gestern –
            ist mir auch auf diesem IPad der volle Sync gelungen. Ich will es nicht verschreien, derzeit läuft alles ganz gut, es sind ein paar Alben drauf – Ereignisse bzw. Gesichter von meinem Mac heißen sie – die nicht wegzubringen sind, aber damit kann ich leben.
            Vielleicht kann ich mich einmal revanchieren. Eine angenehme Woche aus der Südoststeiermark
            Stefan

          • Na, das klingt doch sehr erfreulich! Dann hoffe ich, dass jetzt alles dauerhaft reibungslos läuft – und falls nicht, dann schrei. 🙂

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