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„Flightradar24“ und die Konsequenz der Ereignisse

Nach dem Absturz des Airbus A320 von Germanwings über den französischen Alpen am gestrigen Vormittag, herrscht allerorts große Betroffenheit. Das erste Mal seit beinahe sieben Jahren, als am 20.8.2008 eine MD-82 der Spanair in Madrid verunglückte, fand ein derartiges Unglück unter Beteiligung einer großen europäischen Fluggesellschaft über hiesigem Luftraum statt und scheint vielen Deutschen die Tragik, die solch einer Katastrophe innewohnt, noch greifbarer zu machen. Diese These lässt sich nicht nur durch die emotionale Berichterstattung der Medien stützen, sondern auch anhand einer auf den ersten Blick vollkommen banalen Kennzahl ablesen – den Appstore-Charts.

Die App „Flightradar24“ ist seit vielen Jahren im Appstore erhältlich und grundlegend darauf ausgerichtet, weltweite Flugbewegungen anhand von Flugnummern und -gesellschaften zu tracken. Offenbar ist dies ein Thema, welches sich allgemein großer Beliebtheit erfreut, hält sich die App doch seit langem wacker im oberen Bereich der Appstore-Charts. Mit Bekanntwerden des Absturzes von 4U9525 ist das Interesse an dieser Funktionalität offenbar sprungartig angestiegen: Über Nacht stieg „Flightradar24 Pro“ auf Platz 1 der meistverkaufen Apps.

Flightradar24 nach Germanwings Absturz
Quelle: www.applyzer.com

Keinesfalls soll dies bedeuten, dass die Entwickler der App aus Flugkatastrophen bewusst Kapital schlagen. Vielmehr lässt sich offenbar in diesem Falle ein Rückschluss auf die Befindlichkeit der Volksseele ziehen und folgern, dass dieses Ereignis wesentlich unmittelbareren Einfluss auf unsere Gedankenwelt nimmt, als beispielsweise der geographisch verhältnismäßig weit entfernte Absturz von Indonesia-AirAsia-Flug 8501 am 28.12.2014 über der Javasee. Schaut man auf die Statistiken der App zu besagtem Zeitpunkt, so ist zwar auch ein Anstieg der Verkäufe feststellbar, aber nicht in gleichem Maße wie nach den aktuellen Ereignissen.

Flightradar24 Pro nach AirAsia-Absturz
Quelle: www.applyzer.com

Dies soll natürlich keineswegs bedeuten, dass ein Blick in den Appstore zuverlässig Auskunft über die Emotionen eines ganzen Landes liefert. Aber dennoch lässt mit diesem Beispiels ein Beleg für die enge Vernetzung unserer Lebenswirklichkeit mit der interaktiv-medialen Welt finden, die uns alltäglich in unseren Hosentaschen begleitet.

[Update, 25.3.2015] Die Dipl.-Psychologin und langjährige Stewardess Linda Föhrer, www.entspanntes-fliegen.de, stützt die oben aufgestellte These mit folgendem Zitat in einem Interview mit dem STERN:

Ja, das ist ganz natürlich. Eine Umfrage hat bereits vor einigen Jahren ergeben, dass Menschen mit Flugangst nicht alleine sind: 60 bis 70 Prozent aller Passagiere haben unterschwellig ein mulmiges Gefühl, wenn sie in ein Flugzeug steigen. Bilder von Katastrophen verstärken das verständlicherweise. Noch dazu ist diesmal eine deutsche Fluggesellschaft betroffen, die Nähe und die emotionale Berichterstattung berühren uns stark.

(In diesem Beitrag wurde bewusst auf jegliche Verlinkung verzichtet, da nicht der Eindruck entstehen soll, im Fahrwasser eines tragischen Unfalls Marketing betreiben zu wollen.)

 

Über Björn

Björn ist ambitionierter, halb-semi-mittelprofessioneller Fotoenthusiast und ein wenig vernarrt in technisches Spielzeug. Im familieninternen Wettstreit mit seiner Frau um die besten Fotos liegt er zwar meist ein kleines Stückchen hinten, aber sie verdient ja schließlich auch ihr Geld damit.

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